Wie man einen Fotografen nervt.

Teil 2 – oder „schick mir doch einfach deine RAW-Dateien!“

Bevor es los geht, hier ein wenig Foto-Sprache einfach erklärt.


JPEG-Datei: Fertige Bild Datei und heute ein weltweiter Standard für die Speicherung und den Austausch von Bildern/Fotos. Die Dateigröße ist durch die Komprimierung reduziert und somit wird für das Speichern weniger Platz benötigt. Im Gegenzug sind die gespeicherten Informationen im Bild weniger als bei einer RAW-Datei und das nachträgliche Bearbeiten ist limitiert.

RAW-Datei: Rohdaten – diese Datei enthält alle Bilddaten und Informationen, die vom Sensor der Kamera erfasst wurden und werden ohne Komprimierung oder Veränderung gespeichert. Es ist vergleichbar mit dem Negativ aus der analogen Fotografie. Die Datei kann verlustfrei bearbeitet und konvertiert werden, so können zum Beispiel Farben, der Weissabgleich, die Sättigung oder der Kontrast nachbearbeitet werden, ohne dass die Qualität leidet. Die Bilder sind hochwertiger, da die Datei wesentlich größer ist. Die Fotos müssen allerdings in einem RAW-Konverter bearbeitet werden und dann in ein Standardformat exportiert werden, zum Beispiel in eine JPEG-Format.


Meine Kamera speichert meine Aufnahmen immer im JPEG-Format ab, allerdings habe ich die Möglichkeit, zusätzlich eine RAW-Datei zu generieren. Wenn ich also mehr als nur einen Schnappschuss aufnehmen möchte oder ein Shooting mit jemandem mache, fotografiere ich mit der Einstellung JPEG + RAW, sodass ich die Möglichkeit habe, das Beste aus der Aufnahme herauszuholen.

Vor einiger Zeit war ich mit einer Gruppe auf einem Ausflug, Natürlich hatte ich meine Kamera mit verschiedenen Objektiven dabei. Dies führt oft zu ganz unterschiedlichen Reaktionen:

  • Einige Personen lehnen sich ganz entspannt zurück und kündigen gleich ihren Anspruch an, die Bilder zugeschickt zu bekommen.
  • Andere Personen haben Interesse an der Kamera und freuen sich, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, auch mal zu fotografieren
  • Wiederum andere Menschen rechtfertigen sich, warum sie nur mit einem Smartphone fotografieren, bitten dann aber, die Bilder zugeschickt zu bekommen.

In unserer Gruppe aus ca. 15 Personen war von den oben genannten Charakteren bis zu den Gleichgültigen alles dabei. Ich merke auch immer an, dass ich sicherlich einige Fotos zur Verfügung stelle, aber nicht der Team-Fotograf bin, der dann alle Bilder zur Verfügung stellt.

Nachdem unser Ausflug zu Ende war, habe ich am Abend meine Bilder gesichtet und, eine kleine Auswahl vorsortiert und habe mir dann die Bearbeitung für die nächsten Tage vorgenommen. Für mein Social Media Account allerdings habe ich mir direkt 2 Bilder ausgesucht und hochgeladen. Relativ kurze Zeit danach erhielt ich die erste Nachricht einer Mitreisenden, ob ich die Bilder fertig habe und in unsere Chat -Gruppe stellen kann. Ich habe dies verneint, was zwar akzeptiert wurde, aber nicht ohne zu Erwähnen, dass das unfair sei. Man wolle ja schließlich auch zeigen, was man gesehen hat.

Nachdem ich morgens aufgestanden bin und mich mit einer Tasse an die Bearbeitung der vorausgewählten Bilder gemacht habe, bekam ich zwei weitere Nachrichten, wann mit den Bilder zu rechen wäre. Die Erwartungshaltung war hoch und vergessen die Ansage, dass ich nicht der Fotograf für den Ausflug bin.

Gegen Mittag habe ich dann 20 bearbeitete Bilder verschickt, ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Nachricht, wo die anderen Bilder sind und wann ich diese schicke, fand ich schon ausgesprochen unverschämt. Im Rahmen meines Ärgers und dem Bestreben, trotzdem nett zu bleiben, habe ich erklärt, dass ich keine weiteren Bilder mehr zur Verfügung stelle. Es handelt sich um einen Gefallen meinerseits, die Bilder zu teilen und anstelle von Vorwürfen hätte ich mich über ein aufrichtiges Danke und vielleicht ein ehrliches Kompliment gefreut. Die Bitte meinerseits, bei der Verwendung auf Sozialen Netzwerken mich zu verlinken, wurde gar nicht zur Kenntnis genommen.

Die Krönung des Vorfalles war dann noch die Aufforderung, die RAW-Dateien der Fotos zu verschicken, man verfüge ja schließlich selbst über Bildbearbeitungsprogramme und guten Geschmack und kümmere sich dann selbst um seine Bilder.

Garantiert nicht! Wer geht ins Restaurant und bestellt ein rohes Stück Fleisch oder einen rohen Fisch, man kann sich es ja selbst würzen und dann zubereiten, womöglich noch in der Restaurantküche?

Warum verschicke ich keine RAW-Dateien? Sollte es mal zu Urheberrechts-Fragen kommen, kann ich belegen, dass diese Fotos meine Bilder sind und ich somit auch der Urheber bin. Wenn jemand die RAW-Dateien bearbeitet hat das unter Umständen nichts mit meiner Intention des Fotos oder meinem eigentlichen fotografischen Stil zu tun. Und zu guter letzt: manchmal ist die das Ursprungsbild so schlecht, da will ich doch nicht zugeben, dass ich das so aufgenommen habe. Ein wenig Bearbeitung kann wahre Wunder bewirken!

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Author: Khun Aleks

Photographer into travels, portraits, nature and street shots.

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