Wie man einen Fotografen nervt.

Teil 11 oder „Warum ist denn da ein Logo drauf?“

Vor einiger Zeit war ich in Alt-Delhi in Indien unterwegs. Wir Kollegen tauschen uns oft untereinander aus, wer was vorhat oder ob man gemeinsam etwas unternimmt oder sich zum Essen trifft. Ich selbst bin ja nahezu immer mit meiner Kamera unterwegs, ich kann mich tatsächlich nur an einen Flug nach Indien unternehmen wo ich zwar eine Kamera mit dabei hatte, aber am Ende der Reise kein einziges Bild geschossen hatte.

Ich habe also erzählt, dass ich mit einem Guide ein bisschen durch die Altstadt laufen werde und den Fokus auf Fotografieren gelegt habe. Als wir uns dann für den Rückflug wieder getroffen haben, fragten mich einige Kollegen, wie mein Ausflug war, ob ich was fotografiert habe und wie lange der Ausflug denn gedauert hat. Wenn ich dann sage, dass ich zum Beispiel gegen 16 Uhr wieder im Hotel war, bestätigen sich viele Kollegen selbst und sagen, dass ihnen das viel zu lange wäre oder man ja auch unbedingt ausschlafen musste, und Maniküre, Massage und ein wenig shoppen musste auch Mal sein. Ich schmunzel dann immer und denke mir, dass mein Erlebnis doch nicht davon abhängt, ob die Kollegin jetzt mit dabei war oder nicht. Also entschuldigen muss sich da wirklich niemand.

Ich wurde dann gefragt, ob ich einige Bilder zeigen würde und natürlich freue ich mich, wenn sich jemand für meine Bilder interessiert. Und so saßen wir im Bus auf der Fahrt zum Flughafen und haben uns über die Fotos unterhalten und wie toll die seien, und Mensch hör mal – das würde ich mir sogar aufhängen -, und wow! Deine Kamera macht tolle Fotos…. Geschenkt.

Nachdem wir dann am Flughafen angekommen waren, unsere Koffer abgegeben, die Passkontrolle und die Sicherheitschecks durchlaufen haben, fragte mich die Kollegin, ob ich ihr vielleicht das Foto, das sie sich sogar aufhängen würde, schicken könnte. Ich habe ihr gesagt, dass ich meine Fotos eigentlich nicht verschicke, weder zum Teilen auf Social Media, noch zum Verwenden zum Drucken oder anderweitigem Vervielfältigen. Allerdings sei ich gerne bereit, meine Arbeiten zu verkaufen oder gegen was anderes zu tauschen.

Sie erklärte mir, dass sie alleinerziehende Mama sei und Geld ja immer sehr knapp ist und dass sie sich aber trotzdem sehr gefreut hätte, das Foto in ihrem Flur aufzuhängen. Natürlich werde ich dann manchmal auch weich und habe ihr versprochen, das Bild zuzusenden.

Und wie ich ihr das Foto dann nach dem Flug schicke, schrieb sie mir zurück, dass das Foto toll sei, allerdings sei oben ein Wasserzeichen darauf. Sie fragte mich, ob ich das vielleicht entfernen könnte, bzw. an eine Stelle setzen könnte, wo man es dann mit einem Passepartout so abdecken könnte, dass der Türbogen trotzdem komplett im Bild sei.

Natürlich ist mein Signet meistens so angeordnet, dass es nicht einfach rauszuschneiden ist, und das Bild immer noch das gleiche ist. Natürlich kann man mit KI-basierten Programmen das trotzdem entfernen. Nein, ich will es trotzdem nicht tun. Wie dem auch sei, ich hab sie gebeten, nie wieder nach einem Foto von mir zu fragen…. Ich finde es absolut respektlos und undankbar, wenn man von jemandem etwas geschenkt bekommt und man dann anfängt zu diskutieren, ob da jetzt das Logo drauf unbedingt sein muss. Wenn ich mir Kolleginnen anschaue und sehen, dass auf Handtaschen gar nicht gross genug oder oft genug ein Logo einer Luxusmarke drauf sein kann, dann frage ich mich, was an einem kleinen Logo des Fotografen störend sein soll. Aber so sind Wahrnehmung und Wertschätzung eben nicht gleich auf alle Artikel und Marken anzusetzen.

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Author: Khun Aleks

Photographer into travels, portraits, nature and street shots.

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