Wie man einen Fotografen nervt.

Teil 12 oder „reicht das noch bis Weihnachten?“

Alle Jahre wieder steht Weihnachten komplett überraschend vor der Tür. Und die eigentlich besinnliche Zeit der Gemütlichkeit, der Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte und die Zeit, die wir gerne mit lieben Freunden und der Familie verbringen wird zum Geschenke-Marathon: überfüllte Innenstädte, gereizte Menschen und überhitzte Kaufhäuser können einem die Lust auf Weihnachten rauben.

Internet-Shopping ist da manchmal durchaus eine Alternative, wenn man nicht gerade übersehen hat, dass ein Teil der Sendung aus dem asiatischen Ausland geliefert wird – inklusive der Weihnachtsüberraschung, ob es auch rechtzeitig kommt. Und wenn man dann nicht zu Hause war, steht man vielleicht eine halbe gefühlte Ewigkeit an, seine Sendungen in der Filiale des Transportunternehmens abzuholen, mit genervten und gehetzten Menschen. Oh du fröhliche!!!

Wir schenken uns eigentlich nichts (so die Absprache) und überraschen uns dann mit Kleinigkeiten. Manchmal hat das auch was von Wichteln, manchmal auch Trashwichteln. Aber der Fokus liegt tatsächlich auf der gemeinsamen Zeit, gutem Essen und dem ein oder anderen Drink. Einzig gesetzt ist, dass meine Mama jedes Jahr einen Kalender fürs neue Jahr bekommt. Ist natürlich meine Zuständigkeit – auch da kommt Weihnachten manchmal sehr überraschend.

Wir haben heute den 11.12.2025 und ich habe heute morgen eine Anfrage erhalten, ob ich noch ein Fotoshooting unterbekommen könnte, so ganz spontan, ohne viel Vorbereitung und dafür aber ganz ungezwungen und locker und gegen Bezahlung! Wow – dachte ich. Mega, endlich mal keine Erwartungshaltung von Gratis-Aufwand für Geschenke, bei denen ich die Arbeit habe aber jemand anderes das Geschenk überreicht. Klingt gut. Ich erkundigte mich also, wer oder was fotografiert werden sollte. Es geht um eine Familie, Mama, Papa, zwei Kinder und der Familienhund. Aufgenommen werden sollte bei ihnen zu Hause- Weihnachtspullis, Nikolausmützen, und Tannenbaum war auch schon parat. Mitzubringen wären also nur die Kamera, Blitzlicht, Dauerlicht und gute Laune. Allerdings gestaltete sich dann die Terminfindung ausgesprochen schwierig. Die nächsten 5 Tage bin ich nicht da, und somit fällt das Wochenende flach. Die Woche nach meiner Rückkehr habe ich schon ein Fotoshooting im Terminkalender und die Monchichi-Frisur muss auch mal wieder getrimmt werden, Sonntags habe meinen letzten Flug des Jahres und somit bliebe ausschließlich der 20. Dezember übrig. Ein Samstag.

„Das schaffen wir dann aber noch bis Weihnachten, die Bilder fertig bearbeitet und gedruckt zu verschenken?“ Habe mich dann erklärt, dass die Fotos dann ja gesichtet werden müssen, die ausgewählten bearbeitet werden müssen und dass mein bevorzugtes Fotolabor Bestellungen für Weihnachten ausschließlich bis zum 19.12.2025 annimmt. Eine kurze Rückfrage bei meinem zweiten Labor ergab das gleiche Ergebnis, und da ich ja am 21. definitiv arbeiten werde, kann ich die Fotos erst am 22. zur Verfügung stellen. Da ihr bewusst war, dass ich mich um Drucke selbst kümmere, hat sie mir dann folgendes vorgeschlagen:

Ich komme, mache die Fotos, bearbeite die und wenn ich dann am 24. morgens nach einem Nachtflug und einer Zeitverschiebung von 9 Stunden lande, könnte ich die Fotos bei einem Drogeriemarkt in ihrem Stadtbezirk entwickeln lassen, und sie holt sie dort ab. Das geht sogar innerhalb von zwei Stunden am Fotodrucker. Alternativ könnte ich ja auch aus Vancouver die Bestellung machen und somit wären die Fotos schon bereits am 23.12.2025 fertig. Total stressfrei und ausserdem kostet das Foto dann auch nur zwanzig Cent pro Ausdruck und wie gesagt, geht ja super schnell.

Warum gebe ich viel Geld für tolle Fotos aus und akzeptiere dann eine schlechtere Qualität beim Druck? Warum sollte ich als Fotograf akzeptieren, dass meine Fotos am Ende vielleicht durch den Druck in der Farbe verändert sind oder nicht meiner gewünschten Qualität entsprechen. Wenn die Oma dann die Fotos bekommt und sagt: Mensch, der Fotograf hatte ja ne tolle Idee, aber sieht trotzdem billig aus…. Ist das die Werbung, die ich mir wünsche? Auf keinen Fall. Mit Bedauern habe ich dann den Job nicht angenommen.

Aber ich habe ihr empfohlen, dass sie ja ein Iris Shooting mit der ganzen Familie machen könnte, solche Studios gibts es mehrere in der Stadt und diese Fotos sind toll, außergewöhnlich und ich finde, das ist auch eine tolle Dekoration.

Alternativ habe ich ihr angeboten, wenn es rein um eine Dekoration geht, kann sie sich auch auf meiner Webseite umschauen, vielleicht ist da ja was dabei, was sie gerne verschenken will.

Dies war der letzte Beitrag zu „Wie man einen Fotografen nervt“. Vielen Dank fürs Mitlesen und Eure Nachrichten. Ich freue mich sehr, dass es viele zum Schmunzeln gebracht hat, ich freue mich darauf, auch 2026 wieder tolle Begegnungen mit Euch zu haben, schöne Fotos zu schiessen und Neues zu lernen und auszuprobieren.

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Author: Khun Aleks

Photographer into travels, portraits, nature and street shots.

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