Wie man einen Fotografen nervt.

Teil 9 oder „Kannst du eben mal ein Bild von mir machen?“

Ich habe ja nahezu immer eine Kamera in der Tasche. Vor allem in Städten, wenn ich mit dem Ziel losgehe, ein bisschen street photography zu machen, ist die Kamera meistens in der Hand oder um die Schulter gehängt und bereit zum Fotografieren.

Als wir dieses Jahr in Norwegen im Urlaub waren, waren wir für eine Nacht in Bergen. Ich war gerade damit beschäftigt, eine Häuserzeile zu fotografieren, die sich in einer Pfütze spiegelte. Beobachtet wurde ich von einem asiatischen älteren Paar, und als ich mein Foto aufgenommen habe, fragten sie mich, ob ich ein Bild von Ihnen machen könnte. Die Geduld hat sich ausgezahlt….

Ein anderes Mal war ich in New York City und fotografierte die Architektur der Brooklyn Bridge.die Symmetrie der Stahlseile sieht super aus, und wie ich da so stand, zwischen den ganzen Menschen mit Smartphones, die Erinnerungsbilder und Instagram-Stories schießen, fragt mich eine Mutter mit ihrem Kind, ob ich nicht eben mal kurz ein Foto von den Beiden machen könnte. Ich sagte ihr, dass ich das könnte, aber ich fotografiere gerade was anderes und ich fragte sie, warum sie sich mich ausgesucht hat, wo es hier so viele Menschen gibt. Die Antwort war, dass davon ausgeht, dass das Foto gut werden würde, da sie mir ja schon eine Weile zuschaut. Und professionelle Kameras machen immer gute Bilder. Nach kurzer Schnappatmung habe ich dann ein lustloses Bild mit einem alten Smartphone gemacht und die beiden waren super happy. Hätte wahrscheinlich auch meine Füße fotografieren können oder die Füße der Beiden auf dem Bild abschneiden können, in diesem Moment hätten sie alles toll gefunden.

Und dann erinnere ich mich an einen Kurztrip nach Rio de Janeiro. Eine meiner Lieblingsstädte. Wir haben eine Segeltour zum Sonnenuntergang gemacht und schipperten die Copacabana entlang, mit Blick auf die Christus-Statue. Das Licht war toll und ich wollte einfach ein paar stimmungsvolle Bilder schießen. „Kannst du mal schnell ein Bild von mir machen?“ , wurde ich von einer jungen Frau gefragt – total ungerne. Wenn die Sonne weg ist, ist sie weg. Und das geht schnell. Aber ich war noch nett, also habe ich gesagt, ein schnelles Foto geht. mit welchem Handy? Achso, mit meiner Kamera. Ja, auch ungerne, muss ich meine Einstellungen verändern. Na gut. Nach dem dritten Bild, habe ich abgelehnt, weitere zu machen, da ich ja meine eigenen Bilder auch noch machen wollte. Im Hintergrund war dann nochmal ein Mädel, das meinte, auf sie als Model habe ich mein Leben lang gewartet. Am Ende war ich der Spielverderber, da ich nur ganz kurz Zeit investierte und nicht für ein komplettes Sonnenuntergangs-Bikini- Shooting in Rio zur Verfügung stand.

Wie oft wurde ich schon gefragt, professionelle Hochzeitsreportagen zu fotografieren. Menschen sehen meine Fotos, und denken, das kann er bestimmt auch gut. Und außerdem hat er eine teure Kamera und viel Zubehör. Und er liebt es, zu fotografieren.

Aber nur, weil ein Fotograf gerne Portraits, Landschaften oder Tiere fotografiert, bedeutet das nicht, dass er automatisch tolle Hochzeitsbilder macht. Und wenn er tolle Portraits macht, kommen da nicht zwangsläufig automatisch tolle Baby-Fotos zu Stande. Jeder hat seine Nische und perfektioniert dort bestmöglich, aber vorauszusetzen, dass genau dieser Fotograf mit den tollen Architekturfotos den wichtigsten Tag im Leben fotografisch festhält – das kann ein großer Fehler sein.

P.S. …. Kann, muss aber nicht.

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Author: Khun Aleks

Photographer into travels, portraits, nature and street shots.

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