Teil 7 oder „was gibt’s da zu sehen?“
Ich bin gerne in der Natur unterwegs. Wildtier-Fotografie ist ein ganz besonderes Genre, und ich bewundere oft Fotografien bei Instagram, die gestochen scharf und genau im richtigen Moment aufgenommen sind: springende Wale, Delfine, Eulen, Leoparden…. ich kann mich gar nicht daran satt sehen.
Und natürlich möchte man sich als Fotograf auch gerne ausprobieren und spektakuläre Aufnahmen machen. Zu glauben, dass es schnell gemacht ist, ist fatal. Zunächst bedarf es einer guten Recherche: wo kann ich das gewünschte Tier finden? Ist es tag- oder nachtaktiv? Wie ist das Jagdverhalten? Erkenne ich das Tier am Geräusch?
Dann benötigt man oft eine spezielle Ausrüstung: ein Makro-Objektiv für Insekten, ein Teleobjektiv (je größer, desto besser) für scheue Tiere und Vögel , einen Telekonverter (size matters eben doch), Tarnkleidung oder ein Tarnzelt, ein Stativ.
Und dann braucht man Geduld. Und noch mehr Geduld. Das eine Mal sitzt man vielleicht auf einem Hochsitz – relativ bequem – und beim nächsten Mal irgendwo auf dem Boden zwischen Büschen und Sträuchern. Und man wartet, manchmal sehr lange und manchmal leider erfolglos.
Ich freue mich immer, wenn ich Eisvögel vor die Linse bekomme. Nachdem ich dieses Jahr schon einige mögliche Plätze gefunden habe, habe ich die Eisvögel immer nur vorbei fliegen sehen. Oder es waren so viel Äste davor, dass Fotografieren nicht möglich war. Oder die Vögel waren zu weit entfernt.
Ich habe dann tatsächlich einen Platz gefunden, bei dem die Chancen sehr gut standen. Ich saß also im Wald und wartete. Relativ nah lag ein Spazierweg und in regelmäßigen Abständen kamen Menschen vorbei. Entweder laut in ein Headset sprechen, während der Hund das Tempo vorgab oder mit der Bekannten – meistens ebenfalls laut – den Tratsch austauschend. Manche Menschen nehmen einen gar nicht wahr, während andere laut flüstern: „da sitz Einer!“, „was fotografiert der denn da?“ oder „was gibt’s da zu sehen?“
Als Fotograf denke ich mir dann – na super…. Bitte weiter gehen und auf gar keinen Fall sich unterhalten. Weder mit mir, noch mit dem Spaziergeh-Partner.
Definitiv dürfte sich die nächste Zeit kein Eisvogel blicken lassen, da sie extrem empfindlich auf Bewegung, Lautstärke und Störung reagieren.
Also, Ihr lieben Spaziergänger und Wanderer. Wenn ihr da jemand mit einer Kamera sitzen seht, dann seit neugierig und interessiert, aber bitte leise. Schaut, in welche Richtung der Fotograf schaut, vielleicht könnt Ihr ja auch was sehen oder erkennen. Aber bitte, bitte, tut das leise, vielleicht sitzt der Fotograf schon seit einigen Stunden dort und wartet geduldig und dankt es Euch still, wenn die Tiere trotzdem kommen können, ohne sich gestört zu fühlen.

